Einmal Chemnitz – Kenia und zurück

November 10, 2017 No comments exist

Es hat sich gelohnt – alles, jeder Aufwand, das Ausfüllen des Visums, die Überlegungen ums Impfen, das Buchen der Flüge und natürlich die Planung des Reiseablaufs. So beginnt jede große Reise, das kennt jeder und hat dies vielleicht auch selbst schon einmal durchlebt. Umso besser weiß man, wie es sich anfühlt, wenn der große Tag gekommen ist, die Aufregung, wenn man sich von den Eltern verabschiedet und endlich ins Flugzeug steigen kann. Diese tolle Erfahrung durften wir, Lena Hohler und ich, am Samstag den 11.02.2017 machen. Nun begann die Reise, auf die wir uns so gefreut hatten.
Die erste Nacht verbrachten wir auf der Oseki Farm, auf der wir uns mit Irmgard Wutte trafen. Irmgard ist die Gründerin des Projekts Nyendo – Lernen, bei welchem wir jetzt seit ca. einem Jahr mitwirken. Bei diesem helfen deutsche Schüler einer Partnerschule in Kenia. Unsere Partnerschule ist die Sprigho School. Unser Anliegen während der Reise war es, die Menschen kennen zu lernen, welche wir unterstützen und uns einen Eindruck von den Gegebenheiten vor Ort zu machen. Bei der Schulleiterin Lucy wohnten wir die erste Woche. Sie ist eine sehr starke und interessante Person.

Wir wohnten mit ihr, ihrem Mann, ihren zwei Töchtern, ihrer Schwester mit Sohn und der Oma zusammen in zwei kleinen Räumen. Diese sind sehr eng und dunkel. Für uns wurde extra das Schlafzimmer frei gemacht. Die anderen sieben Personen schliefen in dem anderen Raum.
Vor dem Essen, dem Verlassen des Hauses und am Abend vor dem Schlafengehen wurde gebetet. Dies war für uns eine neue und sehr intensive Erfahrung, da wir beide das von Zuhause nicht kennen. Weitere schöne und eindrucksvolle Erlebnisse hatten wir tagsüber in der Schule. Hauptsächlich halfen wir an der Kangemi School bei einem Theaterprojekt. In diesem ging es um die Zukunftsvisionen der Kinder und der Community, wie zum Beispiel das Nutzen der Regionalwährung, das Anlegen eines Permakultur-Gartens und natürlich um Berufe, die die Kinder später gern ausüben würden.
Am Wochenende der ersten Woche flogen wir nach Mombasa und fuhren dann weiter nach Kilifi. Beides liegt an der Küste Kenias, wo das Klima viel wärmer und die Luft feuchter ist. Das war für uns sehr unangenehm. Liebend gern hätten wir kürzere Sachen angezogen, doch da Mombasa stark muslimisch geprägt ist, beschlossen wir, uns dem Großteil der Einwohner anzupassen, da wir sowieso schon auffielen.
Die Fahrt von Mombasa nach Kilifi war sehr abenteuerlich. Wir fuhren mit einem Matatu, einem der Fortbewegungsmittel in Kenia. Matatus sind sehr bunt und alle unterschiedlich bemalt, es läuft laute fröhliche Musik und hinzu kommt die für uns gewöhnungsbedürftige Fahrweise. In Kilifi wartete auf uns eine wunderschöne Unterkunft. Mit einem Pool, bequemen Betten, einer Dusche und abwechslungsreicheren Gerichten, welche nicht aus Bohnen oder Ugali und Sukuma Wiki bestanden. Ugali ist ein fester Maisbrei und Sukuma Wiki ist ähnlich wie Spinat, doch viel nussiger. Einen Tag verbrachten wir mit Ausruhen und am Strand, wo wir uns mit den Einheimischen unterhielten und Haifischzähne suchten. Diese Auszeit hatten wir uns wirklich verdient, da uns die vielen Eindrücke doch sehr geschafft hatten. Am nächsten Tag besuchten wir eine Kokosöl-Farm, da wir bald einen Handel und Verkauf damit starten möchten. Später am Nachmittag fuhren wir wieder nach Mombasa und am nächsten Tag ca. neun Stunden mit dem Bus nach Nairobi zurück. In Deutschland hätten wir für diese Strecke ca. zwei Stunden gebraucht. Dort dauerte die Fahrt wirklich ewig!
Am Abend ging es dann zurück in das Slum zu Lucy, welche schon sehnsüchtig auf uns wartete. Bis Mittwoch halfen wir wieder beim Theaterstück. Am Dienstag war Lena schon etwas krank geworden, doch am Mittwoch erwischte es sie dann richtig. Deshalb konnte sie den geplanten Tagesablauf nicht mitmachen und verbrachte die Zeit um gesund zu werden auf der Oseki Farm. Ich dagegen war mit Simeon, der uns die drei Wochen lang begleitete, bei einem Elefantenwaisenhaus. In diesem werden Elefantenwaisen aufgezogen um nach einigen Jahren wieder ausgewildert werden zu können. Anschließend fuhren wir mit Danson, einem Massai, nach Olorgesailie. Dieses liegt im Rift Valley, im Gebirge nahe Nairobi. Am nächsten Morgen starteten wir bereits um fünf Uhr morgens in den Tag. Um sechs Uhr begann unsere Wanderung auf einen der Berge, bei welcher uns Danson etwas über die Entstehung der Landschaft, abenteuerliche Geschichten und von Begegnungen mit riesigen Schlangen erzählte. Ich selbst traf auch auf eine! Ich wäre fast auf eine kleine, grüne, giftige Schlange getreten. Danach war ich ziemlich erschrocken und Danson musste mich wieder beruhigen. Am Abend kamen Lena und andere Freunde von Irmgard nach und so war auch schon die zweite Woche wie im Flug vergangen.
In der dritten Woche erledigten wir dann noch einige Punkte von unserer ToDo-Liste. So gingen wir auf den Massai-Markt um Tücher und Kunsthandwerk einzukaufen und verbrachten Zeit mit den Kindern unserer Partnerschule. Besonders schöne Erfahrungen für uns waren, unter vielen anderen natürlich, das Kochen für Lucy und ihre Familie, die Offenheit der Kinder mit ihrer Neugier und die Gastfreundschaft. Mit uns wurde alles geteilt. Dies alles hat uns sehr viel gelehrt. Jeder von uns hat auch seine eigenen Erfahrungen mitgenommen. Für mich persönlich hat die Reise viel verändert. Ich sehe die Dinge, die ich besitze, ganz anders. Für mich sind sie wertvoller geworden und ich weiß gleichzeitig, dass ich gar nicht so viel brauche.
Das Wichtigste, was ich gelernt und versucht habe mitzunehmen, ist diese Liebe, die uns dort so reich geschenkt wurde, für Freunde, Familie und auch Menschen, die man nicht kennt. Die Menschen leben unter Bedingungen, die sich viele von uns nicht einmal vorstellen können. Trotzdem sind sie so unglaublich lebensfroh. Davon können wir uns alle etwas abschauen und daraus lernen.

Bettina Bliedung ist Schülerin der 11. Klasse der Waldorfschule Chemnitz.

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