Vom 29. Januar bis zum 1. Februar 2026 kamen wir im Kloster auf der Fraueninsel zur Nyendo-Klausur zusammen – und ich saß mittendrin, bewegt und dankbar: als Gründerin, Initiatorin und Trägerin des Nyendo-Impulses, den ich seit 2004 in mir trage und gemeinsam mit über 250 Jugendlichen aus 12 verschiedenen Schulen entwickeln durfte.
Zurückblicken, verbinden, nach vorne schauen
Es war bereits das 14. Jahr dieser Treffen – jedes Mal in anderer Besetzung und doch im gleichen Geist. Wir treffen uns, um zurückzublicken, die Verbindung nach Kenia lebendig zu halten, Zukunftsfragen zu erörtern und die nächsten Schritte zu planen. Diesmal kamen viele zu uns auf die Insel: Insgesamt waren wir 55 Teilnehmer:innen. Unter ihnen waren Jugendliche aus zwei Schülerfirmen (Klassen 8 bis 11), neun Ehemalige, vier Coaches, vier Mitglieder des Nyendo-Teams sowie fünf Gäste aus dem Netzwerk.
Hinzu kam unser Stargast: Walter Orlando aus Kangemi bei Nairobi. Walter berührte uns mit seiner warmherzigen Klarheit: „Alles, was ich tue, mache ich aus Menschenliebe.“ Diese Haltung hat das Wochenende getragen.
Selbst gemacht. Selbst geschafft. Gemeinsam unschlagbar.
Beim offiziellen Jahresrückblick zeigten uns die Nyendo-Schüler:innen, was in einem Jahr möglich ist: Durch Verkäufe und Veranstaltungen erwirtschafteten sie insgesamt circa 20.000 €.
Doch fast noch eindrucksvoller als die Zahlen war ihre Zusammenarbeit: Sie stellten alles selbst auf die Beine, die Abläufe waren reibungslos und die Projekte zielgerichtet. Das ist besonders beeindruckend, weil den Schüler:innen oft nur in den Pausen Zeit für Treffen blieb. So ist über die Jahre ein gemeinsamer Schatz aus Erfahrung und Kompetenz gewachsen, von dem jede neue Generation profitiert.
Und genau darin liegt für mich das Wesentliche. Nyendo ist ein weites Feld des Lernens. Ein Lernen, bei dem die Schule wieder in die Gesellschaft hineinwirkt: bildend, wirksam und zugleich selbstlernend. Oder, um es mit Buddha zu sagen: Lernen ist Bewegung. Hier sind wir ganz bei Buddha: Nyendo will eine lernende Bewegung sein.
Gemeinsam geschafft – über Kontinente hinweg
Das Online-Meeting mit Nairobi am nächsten Tag zeigt uns direkt, wofür wir das alles tun. Wir konnten live am Bildschirm sehen, was unsere Schülerfirmen ermöglicht haben: den von ihnen finanzierten Schlafsaal der Prosperity School.
Ebenso eindrucksvoll zeigte uns der Kibera Art District, wie Kunst zur Stimme werden kann und Räume schafft, in denen eine Community sich stabilisiert, sichtbar wird und Grenzen aufbricht.
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Mehr InformationenVom Projekt zur Herzenssache – wenn Erinnerungen lebendig werden
An diesen Tagen voller Höhepunkte gab es ein ganz besonderes Highlight: Valentin aus Rosenheim hatte einen über 40-minütigen Film erstellt, der die Kenia-Reise aus der Sicht der Jugendlichen zeigte. Es war seine Jahresarbeit. Zusammen mit den Berichten der anderen Kenia-Reisenden wurde spürbar, wie tief die Erfahrungen dieser besonderen Reise nachwirken und wie stark die Verbundenheit mit nyendo ist.
Auch die Klausur selbst wurde durch die Jugendlichen zu einem lebendigen Erlebnis: Sie übernahmen Verantwortung, trugen zum Ablauf bei, diskutierten, organisierten, lachten und tanzten. So füllten sie die Tage mit einer Energie, die entsteht, wenn Menschen wirklich beteiligt sind.
Raum geben und Verantwortung teilen
Im Open Space wurde deutlich, wohin die Reise geht: Die nyendo gUG wird sich künftig mehr zurücknehmen, damit Schulen, Coaches, Schüler:innen und engagierte Eltern mehr Verantwortung übernehmen können. Gleichzeitig richten wir unseren Fokus klar darauf, den Aufbau des nyendo Social Hub in Kangemi entscheidend voranzutreiben.
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Mehr InformationenMit nyendo wollen wir wieder sichtbarer nach außen treten – als Plattform für Verbundenheit, Wirksamkeit und sinnstiftendes Handeln.
Und ganz nebenbei lernen alle Beteiligten dabei genau das, was heute so dringend gebraucht wird: unternehmerisches Handeln, Zusammenhänge verstehen, Ängste überwinden, handlungsfähig werden – und als Gemeinschaft wirksam sein.
Als wir die Aufnahme des Nairobi Chamber Choir mit „Akuthula“ hörten – ein Friedenslied aus Zulu –, war es still im Raum. Ergreifend. Verbindend. Für mich war es wie ein leiser, klarer Ruf: Frieden beginnt dort, wo Menschen sich wirklich begegnen – und Verantwortung übernehmen.
Irmgard Wutte


