Von der Raupe zum Schmetterling

Inuka Sasa 2.0  – nachhaltiger Wandel für unsere Partnerschulen in Kenia

Einmal in Gang gesetzt, lässt sich Wandel nicht mehr aufhalten

Wandel ist etwas, das in der Natur von ganz alleine passiert: Aus einer Raupe wird ein Schmetterling – ganz ohne Hilfe, dennoch magisch. In einem Interview beschreibt der Soziologe Nicanor Perlas, wie diese Transformation abläuft und was wir daraus lernen können, um unsere Gesellschaft zu verändern. Wenn die Raupe sich in ihren Kokon einspinnt, erklärt Perlas, passiert etwas ganz Erstaunliches. In der Raupe bilden sich sogenannte Imagozellen. Diese Zellen repräsentieren in gewisser Hinsicht die Zukunft, denn sie enthalten die Informationen des Schmetterlings, in den sich die Raupe verwandeln soll. Zuerst wehrt sich der Körper der Raupe noch gegen diese neuen Zellen und versucht, sie zu vernichten. Doch wenn der Prozess des Wandels einmal in Gang gesetzt ist, lässt er sich nicht mehr aufhalten.

Unsere Kernaufgabe: Netzwerke bilden und neue Ideen austauschen

Mitten unter den Raupenzellen – sozusagen in feindlicher Umgebung – bilden sich immer mehr neue Imagozellen und vereinigen sich zu kleinen Gruppen. Irgendwann kommt das Immunsystem der Raupe nicht mehr gegen die neuen Zellen an, die beginnen, kleine Netzwerke zu bilden und Informationen auszutauschen. Die Imagozellen bilden lange Fäden und ab einem gewissen Punkt scheint dieses Geflecht zu begreifen, dass es etwas anderes ist als eine Raupe. „Mit der Erkenntnis einer eigenen Identität verwandelt die neue Zellstruktur den alten Raupenkörper von Innen. Diese Erkenntnis ist die eigentliche Geburt des Schmetterlings“, erklärt Perlas.

Was in der Natur ganz selbstverständlich abläuft, braucht in unserer Gesellschaft viel mehr Bewusstsein und den freien Willen vieler. Eine Gesellschaft nachhaltig zu verändern, geht nicht von heut auf morgen und auch nicht mit Gewalt. Es braucht Millionen von Menschen, die sich für den Wandel einsetzen, die anfangen Netzwerke zu bilden und sich auszutauschen. Ein starker Mensch alleine reicht nicht aus, er braucht – wie die Imagozellen in der Raupe – andere Menschen, mit denen er sich austauschen kann und Netzwerke bilden kann, so Perlas. Erst dann kann sich analog zur Schmetterlingsentwicklung etwas Neues bilden, ohne dass die Ideen vom alten System wieder verschluckt werden.

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Gemeinsam Veränderung bewirken mit Inuka Sasa 2.0

Genau das wollen wir mit Inuka Sasa 2.0 bewirken. Die Initiativträger, also die „Imagozellen“ der Community, sollen gestärkt werden. Sie tragen die Zukunft bereits in sich und infizieren nicht nur andere mit ihren Ideen und ihrer Entschlossenheit, sondern geben ihnen auch Arbeit durch konkrete Projekte. Bei der ersten Inuka Sasa-Konferenz im November 2017 auf der Oseki-Farm außerhalb Nairobis haben wir das CIFEFA-Slumschulnetzwerk initiiert. Wir konnten neunmal Gehälter an bis zu 150 Lehrer unserer Partnerschulen auszahlen. Einen nachhaltigen Wandel konnten wir damit jedoch noch nicht erzeugen. Denn statt Eigeninitiative und Verantwortung wurde bei den Betroffenen eher eine latente Abhängigkeit und Opfermentalität unterstützt.

Darum wollen wir nun mit Inuka Sasa 2.0 einen Neustart. Ein Kernteam aus dem bestehenden CIFEFA-Partnerschulnetzwerk entwickelt gerade eine selbstständige Organisation, um Sozialunternehmen in armen Communitys zu unterstützen. Die Lehrer werden eingeladen, in nachhaltigen Projekten Verantwortung zu übernehmen und so ein zusätzliches Einkommen zu generieren. Wenn wir unsere Ideen und unsere Vorstellungskraft zusammen arbeiten lassen, können wir gemeinsam eine Veränderung bewirken, die nicht mehr aufzuhalten ist.

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Text von Johanna Grewer