Sozialpraktikum an der Loveschool in Nairobi, Kenia

September 18, 2017 No comments exist

Sozialpraktikum an der Loveschool in Nairobi, Kenia

Annalena Maria Erker

Upendo Tamu

Vor ca. 3 Jahren haben ein paar Mitschüler und ich angefangen die Schülerfirma „Upendo Tamu“ aufzubauen, um der Loveschool im Slum von Nairobi, Kenia zu helfen. Im Mai diesen Jahres war es dann soweit, dass acht Schüler meiner Klasse (Alicia Schneider, Florian Tietz, Konrad Kupferschmied, Leon Stofft, Noelle Hausbeck, Sofia Funk und Susanna Zacher Rogério) die Loveschool endlich selber besuchen konnten, um einen Blick in das Leben und die Schwierigkeiten im Slum zu bekommen.

 

 

 

Ich freue mich sehr, dass die Reise nach Kenia und der Besuch des Slums nun endlich soweit ist. Ich habe Angst vor dem Unbekannten, was mich dort erwartet und wie ich mich dort fühlen werde. Ich kann es mir gar nicht vorstellen im Slum für ca. 2 Wochen zu leben. Ich stelle es mir dort sehr dreckig vor und dass die Häuser sehr einfach, aus Wellblech und klein gebaut sind. Ich bin aber jetzt auch schon sehr gespannt unsere Partnerschule, die Loveschool und Veronicah kennenzulernen. Ich hoffe, dass ich nach dem Aufenthalt im Slum einen besseren Einblick von dem Leben und den Problemen dort habe.

Der Aufenthalt in Kenia

Noch auf dem Hinflug plagte mich die Angst, ob ich es dort wohl drei Wochen lang aushalten würde, ob ich mit all den neuen Eindrücken zurecht kommen würde über so lange Zeit. Ich war sehr froh, dass ich die ersten zwei Nächte auf der Oseki Farm auf dem Land verbringen durfte.  Ich war an dem Tag bevor wir in den Slum fuhren sehr aufgeregt. Als wir dort ankamen, war ich zuerst erleichtert.

 

Ich hatte mir die Umstände in dem Haus wo wir lebten schlimmer vorgestellt und wir wurden so herzlich von Veronicah aufgenommen, dass sich meine größten Sorgen schon gelegt hatten. Am ersten Abend gab es Chapati, eine Art Fladenbrot mit Gemüse, als Willkommensessen. Es schmeckte sehr gut. Am nächsten Tag ging es in der Früh kurz zur Loveschool, bei welcher wir sehr herzlich empfangen wurden. Doch dann waren wir die nächsten drei Tage damit beschäftigt 14 verschiedene Schulen zu besuchen. Das war sehr anstrengend und es waren viele neue Eindrücke, die mich dann auch zum Teil ein bisschen überfordert haben und den Wunsch, den Slum zu verlassen, hervorgerufen haben.

Dann fuhren wir allerdings zwei Tage mit den Massai ins Rift Valley, so dass ich mich von all den neuen Eindrücken, den vielen Menschen, die einen ansprechen und das ständige Auffallen auf den Straßen erholen konnte. Doch als wir danach wieder in den Slum kamen, fühlte ich mich viel wohler und von Tag zu Tag mehr zu Hause. Ich lernte so viele Menschen kennen, welche sich alle so lieb um uns kümmerten, dass ich mir während unserem Aufenthalt bereits darüber Gedanken machte, wie sehr ich diese alle vermissen werde, wenn ich wieder zurück in Deutschland bin.

 

Am ersten Sonntag nahm uns Simiyu, der Leiter einer anderen Schule mit in seine Kirche. Die Kirche war katholisch und die Messe wurde auf Kisuaheli gehalten, das heißt wir haben so gut wie nichts, außer das Wort Gott, welches wir kurz zuvor erfahren hatten, verstanden. Es war trotzdem sehr schön der Predigt des Pfarrers zu folgen, da sich diese Sprache sehr schön anhört. Noch schöner war es aber die Musik zu erleben und mitzumachen, welche dort viel rhythmischer und freudiger waren als in uns bekannten Kirchen. Es wird sogar dazu getanzt. Die Zeit, die wir im Slum verbrachten, verging viel zu schnell und wir fuhren dann am Ende für ein paar Tage an die Küste, um noch mehr vom Land zu sehen. Schon bei dieser Verabschiedung flossen Tränen, da wir schon jetzt an den Tag denken mussten, an dem wir uns wirklich verabschieden mussten.

Ich hatte eigentlich gar keine Lust mehr zur Küste zu fahren, da ich wusste, dass wenn wir zurückkommen, wir nur noch eine Nacht im Slum verbringen werden und dann wieder zurück nach Deutschland fliegen müssen. Zum Glück haben wir unseren Aufenthalt an der Küste dann um einen Tag verkürzt, so dass wir noch mehr Zeit mit den Menschen im Slum verbringen konnten. Der vorletzte Tag vor unserer Reise war ein Sonntag und so gingen ein paar von uns an diesem Tag mit Veronicah in ihre Kirche. Die Kirche wurde uns als eine freie evangelische Kirche beschrieben, in welcher allerdings alle Religionen willkommen sind, sagte der Pastor. Ich war noch nie zuvor in so einem schönen Gottesdienst, welcher mich so berührt hat. Zum einen waren die Lieder, welche vor der Predigt gesungen wurden so schön, dass ich Tränen in den Augen hatte, aber zum anderen war es erschreckend zu sehen wie viele Menschen dort, mit so viel Hoffnung gebetet haben. Während den Liedern hat man Menschen gesehen, welche trotz ihrer schwierigen Lebenslagen voller Hoffnung die Augen geschlossen hatten und zu Gott gebetet haben. So einen Glauben und solche Hoffnung habe ich davor noch nie erlebt, das war ein sehr beeindruckendes Erlebnis für mich.

 

Den letzten Tag verbrachten wir an der Loveschool und am Abend mussten wir uns auch von Veronicah verabschieden. Der Abschied viel mir sehr schwer und ich war sehr traurig diese Menschen, die wie eine zweite Familie für mich geworden sind, verlassen zu müssen.

 

Vor allem weil ich nicht wusste, wann ich wieder kommen würde.

Ich weiß aber, dass ich sobald wie möglich wieder kommen will.

 

Annalena Maria Erker

 

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